Kim Jong-Il ist tot

Kim Jong-Il ist tot und Nordkorea ist in den Nachrichten. Seit Jahren interessiere ich mich für Politik Ostasiens und für das mysteriöse Land nördlich des 38. Breitengrads. Viel wird dieser Tage wieder über NK geschrieben, darunter auch viel Blödsinn. Ich poste hier im Rahmen der aktuellen Lage einen vor einem Jahr von mir geschriebenen Artikel zur damaligen Situation betreffend der Machtübergabe von Vater Kim Jong-Il auf Sohn Kim Jong-Eun.

(Bilder wurden aus rechtlichen Gründen entfernt und werden nachgereicht)

Bei Gelegenheit werde ich ein aktuelles Update nachreichen und auf Medien verlinken.

Die Machtübergabe in Nordkorea

Ein Überblick – Dezember 2010.

Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK), bei uns besser bekannt als Nordkorea, ist ein Land das von außen betrachtet auf den Beobachter geheimnisvoll erscheint. Konkrete Informationen zu den Vorgängen im Land sind selten und entsprechen meist entweder der offiziellen Darstellung der Regierung oder den Aussagen von Flüchtlingen.

Umso spannender ist es, dass sich in den letzten Monaten die lange Zeit unklare Frage nach Kim Jong-Ils Nachfolge geklärt zu haben scheint und viele Spekulationen nun ein Ende haben. Doch alles der Reihe nach:

 

Vorgeschichte

 In einem Punkt war und ist – sieht man vielleicht noch von Kuba ab- Nordkorea im gesamten sozialistischen Staatenblock einzigartig. In keinem anderen Land wurde die Nachfolge dynastisch geregelt. Es war ein einmaliger Vorgang, dass Kim Il-Sungs Sohn Kim Jong-Il in den 1970er-Jahren schrittweise zum Nachfolger seines Vaters aufgebaut wurde. Posten in Partei und im Militär und der Aufbau einer bizarren Propaganda rund um seine Geburt führten dazu, dass das Land seit dem Tod Kim Il-Sungs 1994 von Kim Jong-Il regiert wird. Der Titel des „Ewigen Präsidenten“ ist zwar auch im Tod an dessen Vater verliehen, ein Premierminister sowie ein der Parlamentspräsident spielen de jure ebenfalls eine wichtige Rolle, an dem exzentrischen Kim Jong-Il kommt man de facto jedoch nicht vorbei.

Viele Beobachter vermuteten in den 90er-Jahren, bedingt durch den Zusammenbruch des Ostblocks, den Tod des Staatsgründers, Hungersnöte, Flutkatastrophen sowie Energiemangel einen baldigen Zusammenbruch der DVRK.

Heute wissen wir, nichts dergleichen ist passiert. Trotz allen Problemen des Landes sitzt das Regime – so scheint es jedenfalls – fest  im Sattel. Doch Kim Jong Il – Jahrgang 1941 – leidet an Diabetes und altert schneller, als ihm lieb ist. Höchste Zeit also, sich um die Nachfolge zu kümmern.

Der Disneyland-Zwischenfall

Gerüchte betreffend der Nachfolge gab es bereits seit 1998, schließlich begann Kim Il-Sung selbst bereits 20 Jahre vor seinem Tod 1974 mit dem Aufbau seines Sohns als zukünftiger Führer des Landes. Kim Jong-Il war insgesamt viermal verheiratet, aus seinen Ehen gingen drei Kinder hervor. (Stammbaum der Kim-Familie in der Infografik)

Kim Jong-Nam ist der älteste Sohn, er wurde 1971 geboren und von 1998 an als potentieller Nachfolger gehandelt: Er bekam eine höhere Stelle im Ministerium für Öffentliche Sicherheit. Ein Zwischenfall im Mai 2001 allerdings ließ ihn bei seinem Vater in Ungnade fallen: Mit gefälschten Pässen der Dominikanischen Republik versuchte Kim Jong-Nam, gemeinsam mit zwei Frauen sowie seinem Sohn nach Japan einzureisen, um das Tokyo Disneyland zu besuchen.

Inwiefern dieses Ereignis allerdings damit zusammenhängt, dass Kim Jong-Nam in Ungnade fiel und seither in Macao lebt, lässt sich allerdings aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit von Quellen nur schwer klären.

 

Klar ist, dass Kim Jong-Ils wichtigste Stütze im Land die Armee darstellt, deren Vorsitzender er selbst ist. Unklar ist allerdings, wie Kim Jong-Il sich die Loyalität der zahlreichen Generäle sichert. Sicherlich spielen importierte Luxusgüter eine wichtige Rolle dabei, ebenso die sog. „Songun“-Politik: „Militär zuerst!“, so die Parole. In allen Belangen des Lebens, auch bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln, wird die Armee bevorzugt. Sehr interessante Hintergrundinformationen zur Beschaffung dieser zahlreichen Luxusgüter bietet das Buch „Im Dienst des Diktators“, dass von einem ehemaligen Einkäufer und seine Geschäftsbeziehungen nach Österreich und Europa erzählt. [1]

2003 wurde nun eine politische Kampagne gestartet, die eine „perfekte, respektierte Mutter“ in den Mittelpunkt stellte und davon sprach, dass sich eine perfekte Mutter der persönlichen Sicherheit des „Kameraden Oberster Kommandeur“ unterzuordnen habe. Beobachter vermuteten daraufhin, dass mit der „perfekten Mutter“ Ko Young-Hee gemeint sei, die Mutter von Kim Jong-Ils beiden Söhnen Kim Jong-Chul und Kim Jong-nam. Nicht ganz geklärt ist hingegen, inwiefern diese Propagandakampagne mit der Nachfolge zusammenhängt, die Gerüchteküche brodelte weiter.

Schwenk zu Kim Jong-Un

2009 schließlich begann das Pendel in Richtung seines jüngsten Sohnes, Kim Jong-Un, zu schwenken. Die südkoreanische Tageszeitung Dong-a Ilbo berichtete im Juni 2009, dass Kim Jong-Un zum Chef des Geheimdienstes ernannt worden ist. [2] Ein halbes Jahr später, im Januar 2010, wurde der Geburtstag Kim Jong-Uns in der DVRK zum Feiertag  erklärt, allerdings ist nicht ganz klar, ob er 1981, 1982 oder 1983 geboren ist.

Mitte September 2010 kam es auf einer Reise des US-Amerikanischen Ex-Präsidenten Jimmy Carter zu einem Gespräch zwischen dem chinesischen Premierminister Wen Jiabao und ihm. [3] Carter, zwei Wochen zuvor zwecks der Freilassung eines Landsmannes nach Pyeongyang gereist, erkundigte sich bei seinem chinesischen Gesprächspartner nach dem chinesischen Kenntnisstand über die mögliche Nachfolge bei Kim Jong Ils, da dieser einige Monate zuvor nach China reiste. Überraschenderweise wurde Wen Jiabao zitiert, dass die Gerüchte um Kim Jong-Un als Nachfolger einem DVRK-Offiziellen zufolge nur falsche Gerüchte des Westens“ seien.

In den folgenden Wochen jedoch begannen sich die Ereignisse zu überschlagen:

Am 28. September 2010 fand der Parteitag der Nordkoreanischen Arbeiterpartei (PdAK) statt, der erste Parteitag seit 30 Jahren. [4] Auf diesem wurde Kim Jong-Il als deren Generalsekretär bestätigt, sein Sohn Kim Jong-Un zum Vier-Sterne-General (대장) befördert. [5] Ein Schritt, der einige Parallelen zum Werdegang seines Vaters aufzeigt und  als sicheres Zeichen, dass Kim Jong-Un zum Nachfolger erkoren wurde, zu deuten ist.

Erwähnenswert ist, dass Kim Jong-Un erstmals im staatlichen Fernsehen erwähnt wurde. Zudem wurde darauf eingegangen, wie sehr das „koreanische Volk“ den Verdiensten von Kim Jong-Il dankbar sein müsse und dass diese Verdienste „lange in der Geschichte unseres Landes strahlen werden“. Über seinen konkreten Gesundheitszustand wurde nicht viel erwähnt.

Am 10. Oktober 2010, keine zwei Wochen nach dem Parteitag, fand in der Hauptstadt Pyeongyang eine Parade anlässlich des 65. Jahrestages der Parteigründung der PdAK statt. [6] Neben Kim Jong-Il selbst und einigen Generälen stand auch Kim Jong-Un auf der Ehrentribüne und nahm die vorbeimarschierenden Soldaten ab. [7] Erstmals in der Gesichte des Landes wurde die knapp zwei-stündige Parade im nord-koreanischen Staatsfernsehen sogar live übertragen, ein Indiz, dass Kim Jong-Un weiter in den Mittelpunkt gerückt werden sollte.

Tags zuvor waren Vater und Sohn zudem bei der „Arirang“-Massengymnastik im „May-Day-Stadion“ in Pyeongyang zu sehen gewesen.

Yang Hyong-Sop, der stell-vertretende Vorsitzende des Parlaments sprach von neugewonnener Ehre, dem jungen General-Kameraden Kim Jong-Un dienen zu dürfen.

Am 27. Oktober 2010, bei einem Treffen im Rahmen des „60. Jahrestags der Teilnahme Chinas am Korea-krieg“ wurde ein Foto von Kim Jong-Il und Sohn in den nordkoreanischen Medien veröffentlicht.

Jugend in der Schweiz

Bekannt ist, dass der heute 27jährige Kim Jong-Un die Schule in der Schweiz unter einem  Pseudonym (Pak Cheol) besucht hat. Seine Herkunft war in der Schweiz allerdings nicht bekannt. [8]

Er soll sich in seiner Jugend für Basketball begeistert haben. Weiters war ein Fan von Michael Jordan und soll Modern Talking gehört haben. 

Vorliebe für Johnny Walker

Bekannt ist, dass Kim Jong-Il ein Faible für edlen Cognac besitzt. Sein Sohn steht ihm in dieser Angelegenheit scheinbar in nichts nach: Fujimoto Kenji, der ehemalige Chefkoch der Kim’s, sprach in einem Interview mit der südkoreanischen Tageszeitung Chosun-Ilbo davon, dass Kim Jong-Un eine Vorliebe für Johnny Walker, Computerspiele und Atombomben hätte. [9]

Kim Jong-Uns zukünftige Rolle

Unklar ist, wie und ob Kim Jong-Un sich politisch etablieren können wird. Kim Il-Sung hatte die Juche-Philosophie, Kim Jong-Il die Songun-Politik. Vermutlich wird eine Phrase gefunden werden, um den Kim in der 3. Generation an das Volk verkaufen zu können.

Die südkoreanische Tageszeitung JoongAng-Daily bringt die Phrase „Co-Evolution“ als Möglichkeit. [10] Kim Jong-Uns Situation, das Land zu übernehmen sei demnach eine ganz andere als die Situation vor zwanzig Jahren. Die Möglichkeit, das Land auf einen langfristig gesehenen positiven Weg zu bringen sei demnach durchaus möglich. „Mit-Evolution“ mit China, aber auch mit Südkorea und der internationalen Gemeinschaft des 21. Jahrhunderts wären eine Abkehr vom bisherigen Weg der radikalen Abschottung. Hierzu wären allerdings radikale Wirtschaftsreformen ähnlich denen der Liberalisierung in China unter Deng Xiaoping vor 30 Jahren nötig. Ob der „Zombie-Staat“ in Pyeongyang [11] dazu bereit ist, bleibt abzuwarten.

Erste Aktionen des jüngsten Kims, Vor-Ort-Besuche in Munitionsfabriken und eine Kampagne, diese CNC-gesteuert herzustellen [12], lassen allerdings im Moment noch keinen Schritt in diese Richtung erkennen.

Die Propaganda beginnt

Ähnlich wie bei seinem Vater Kim Jong-Il zuvor, scheint bereits Material verteilt zu werden, in dem über heroische Taten und Mythen in seiner Vergangenheit berichtet wird. Kim Jong-Il ist in der offiziellen nordkoreanischen Propaganda beispielsweise am heiligen Berg Paekdu-san geboren, kam tatsächlich aber in der UdSSR zur Welt. Wie die südkoreanische Tageszeitung Hankyoreh am 11.10.10 berichtet, soll Kim Jong-Un in den Propagandaschriften unter anderem bereits als dreijähriger eine Waffe in die Hand genommen haben  und auf Anhieb ein begabter Schütze gewesen sein. [13] Zudem werde dar-gestellt, dass Kim Jong-Un die „revolutionären Gedanken“ mithilfe seines außerordentlichen Verstandes gemeistert und dank seiner Analysefähigkeiten noch weiter verbessern werde.

Wird Kim Jong-Un das gelähmte Land reformieren und auf einen nachhaltigen Weg bringen können oder wird das einflussreiche Militär noch mehr Macht bekommen? Es bleibt abzuwarten, wie sich das Land nach dem Tod Kim Jong-Ils entwickeln wird. PV

Quellenangaben:

[1] Steiner-Gashi, Ingrid / Gashi, Dardan: Im Dienst des Diktators. Leben und Flucht eines nordkoreanischen Agenten.- Wien: Ueberreuter 2010.

[2] NK Leader Gives Son Control of Secret Police. Dong-A Ilbo vom 24.6.09, http://english.donga.com/srv/service.php3?biid=2009062447518

[3] Trip Report by Former U.S. President Jimmy Carter to China, 13.09.2010, http://www.cartercenter.org/news/trip_reports/china-090410.html

[4] John Simpson: Is North Korea following the Chinese model? BBC News vom 27.09.2010, http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-11432894.html

[5] John Sudworth: North Korea’s Kim paves way for family succession. BBC News 28.09.2010, http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-11417016.html

[6] Lee Je-hoon: WPK events used to glorify Kim Jong-un. Hankyoreh vom 11.10.2010, http://english.hani.co.kr/arti/english_edition/e_northkorea/443219.html  [7] N.K. Leader, heir apparent son review military parade.

Korea Herald vom 11.10.10, http://www.koreaherald.com/national/Detail.jsp?newsMLId=20101010000022

[8] siehe Endnote 4

[9] Kim Jong-un ‚Loves Nukes, Computer Games and Johnny Walker‘.

Chosun Ilbo vom 20.12.2010, http://english.chosun.com/site/data/html_dir/2010/12/20/2010122001136.html

[10] Cho Dong-ho: Kim Jong-Un needs to be branded. Joongang Daily vom 02.11.2010, http://joongangdaily.joins.com/article/view.asp?aid=2927791

[11] Hanns W. Maull: Der Zombie-Staat. Die Zeit vom 10.12.2010, http://www.zeit.de/2010/50/P-Nordkorea?page=2

[12] Christine Kim: Kim Jong-Un pushing “Military First”. Joongang Daily vom 19.11.2010, http://joongangdaily.joins.com/article/view.asp?aid=2928598

[13] siehe Endnote 6

 

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[Helft Japan!] Benefiz-Flohmarkt 11.6.2011

Für unseren Verein Helft Japan! fand heute erfolgreich am Wiener Naschmarkt ein kleiner Flohmarkt statt, an dem wir Waren quer durch alle Produktgruppen loswurden und so ca. 180 Euro für unsere Spendenkassa einnahmen.

Mögen die neuen Besitzer glücklich sein mit ihren erstandenen Dingen und das Geld für den Wiederaufbau der Infrastruktur und soziale Hilfe in den vom Tsunami betroffenen Gebieten den Menschen zu Hilfe kommen.

Danke an die Mithilfe!

今日(2011年6月11日)、ウィーンの一番大きい市場で「日本を助けよう!」団体(ウィーン大学日本学科における募金活動)がフリ・マを行った。

朝から晩まで様々な客が様々な物をかったりして180ユーロぐらいを募金することができた。その金も地震・津波の被害者のために募金して再策と復興のために使えるでしょうか。

団体者、参加をしてくださったありがとう。

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Restaurant Yoo, Wien 6

Restaurant Yoo
(유 식당)

Stumpergasse 27, 1060 Wien
Tel.: 01 – 597 28 79
http://restaurantyoo.com/

Öffnungszeiten:
MO-SA 11.30-14.30; 17.30-23
SO+Feiertage geschlossen

Allgemeines

Das Yoo ist ein kleines, aber feines Restaurant nicht weit weg vom Westbahnhof. Betrieben von einem koreanischen Ehepaar hat es sich zu meinem persönlichen Lieblingsrestaurant entwickelt.
Obwohl das Lokal relativ klein ist und nur 4 Tische und eine Bar hat, muss man einen Tisch meist nicht reservieren. Das Yoo hat sich in gewisser Weise den Status des „Geheimtips“ bewahrt.

Das Menü (auch auf der Homepage zu finden) umfasst eine relative Bandbreite. V.a. natürlich werden koreanische Gerichte angeboten. Diese sind allerdings in ihrer Klasse in Wien beinahe unübertroffen und was den Geschmack betrifft original belassen. Hier werden keine Geschmäcker angepasst – wenn „scharf“ draufsteht, ist garantiert auch scharf drinnen.

Empfehlenswert ist – ich gehe seit beinahe 4 Jahren regelmäßig dorthin – eig. so gut wie alles. Meine persönlichen Favoriten sind allerdings das Dwaeji Bulgogi, das Yukgaejang, das Kimchi Jigae, die Yakisoba und das Bulgogi. Ersteres und letzteres werden dabei genüsslich am Tisch gegrillt.

Immer ist ein koreanischer Rettichsalat inkludiert, der (ausgezeichnete!) Kimchi kostet extra. Wer allerdings koreanisch essen möchte, kommt darum kaum herum.

Bei den Getränken gibts auch nicht viel zu kritisieren. Der Tee schmeckt sehr gut, die Preise der anderen Getränke sind zwar etwas höher als bei „einfacheren“ Lokalen, aber bleiben immer fair.

Im Folgenden einige Bilder. Ich möchte in Zukunft auch noch die anderen Speisen fotografieren, die Galerie wächst also noch.

Das Sushi

Neben den von Frau Yoo zubereiteten koreanischen Gerichten bietet das Yoo auch Sushi an. Jeder, der einmal die Gelegenheit hatte, in Japan Sushi zu essen, wird in Europa mit einer gewissen Vorsicht und einem gewissen Vorurteil an diese durchaus leckere Speise herantreten. Meist wird das Sushi ja lieblos von ungeschulten Köchen zubereitet, der Reis ist viel zu säuerlich, etc.
Nun, ich habe quasi nur durch Mundpropaganda erfahren, dass das Sushi im Yoo vorzüglich sei. Glauben wollte ich es erst, nachdem ich es selbst probiert hatte. Fazit: Ich habe in Wien zu diesem Preis noch kein besseres Sushi gespeist.
Auf mein Lob hin, wie lecker das Sushi wäre und dass ich außerhalb Japans noch nie solch leckeres Sushi gegessen hatte, wurde ich neugierig und wollte wissen, wo Herr Yoo diese Fertigkeiten erlernt hat. Es überrascht kaum, er hat die Zubereitung in Japan bei einem Profi erlernt.

Und da ich selber ja Sashimi bevorzuge, kann ich nur empfehlen, einmal eben jenes zu probieren.

Der Service und die Wartezeiten, das Ambiente und Fazit

Die Kellnerin ist im Gegensatz zu den Besitzern keine Koreanerin, aber sehr freundlich. Sie wirkt etwas schüchtern, ist aber sofort zur Stelle, sollte man etwas bestellen wollen.

Das Essen ist schnell da. Das ist wohl v.a. der geringen Sitzplatzanzahl zu verdanken, da Frau Yoo jedes Gericht frisch kocht.

Das Ambiente könnte „koreanischer“ kaum sein. Ein bisschen fühlt man sich abends sogar wie in einer japanischen Izakaya ohne Alkohol. Die Deko wirkt nirgends übertrieben, gerade das Nötigste wie ein großer Ginseng, einige Kalligrafien und CO sind im Raum aufgestellt. Leise Musik – offenbar zu 90% Drama-Soundtracks – werden abgespielt.

Alles in allem ist das Yoo wie eingangs erwähnt zu meinem Lieblingsrestaurant in Wien geworden.

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Okinawa Sanshin

Kleine Ergänzung zum vorherigen Eintrag…

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Tsugaru Shamisen – Was ist das?

Tsugaru Shamisen – Eine kurze Einführung

Einigen Lesern dürfte es bekannt sein, dass ich seit ca. einem Jahr eine Tsugaru Shamisen besitze. Während meines ersten Japanaufenthaltes hatte ich dankenswerterweise ja die Gelegenheit, auf Okinawa eine Einführung in die dort verbreitete „Sanshin“ zu bekommen. Beide Instrumente haben viel gemeinsam, unterscheiden sich jedoch in der Spielweise fundamental voneinander.

Auffalend dürfte natürlich v.a. der Größenunterschied sein. Die Sanshin wirkt neben der wuchtigen Shamisen geradezu klein und zerbrechlich. Und obwohl die Saiten gleich gestimmt werden, erzeugt selbst einfaches Zupfen bei beiden Instrumenten einen ganz anderen Klang. Die Shamisen klingt „erwachsener“, „härter“ und „ernster“ als die Sanshin.

Dieser Umstand ist auch in den dazugehörigen Liedern und ihrer Spielweise zu hören, zu sehen und leicht zu erklären. Die Sanshin stammt aus dem ehemaligen Ryukyu-Königreich, heute „Okinawa“ – die Inseln liegen weit im Meer, die Kultur der dortigen Einwohner hat wenig bis kaum etwas mit den Restjapanern gleich.

Die Tsugaru-Shamisen hingegen kommt aus dem äußersten Norden Japans. Benannt nach der gleichnamigen Stadt in der Präfektur Aomori war die Tsugaru Shamisen Begleitinstrument für dortige Volkslieder. Hauptunterschied zur Sanshin: Der Spieler singt nicht selbst. Die Shamisen ist zwar auch in Restjapan verbreitet, die Spielweise unterscheidet sich allerdings fundamental von den Liedern aus dem Norden. Als Begleitung im traditionellen Theater (im Kabuki ebenso wie im  Bunraku), als Instrument der Geisha oder für Volkslieder war die „Nagauta“ oder „Kouta“ genannte Shamisen auch dort verbreitet. Beispiele für diese beiden Spieltypen am Ende des Eintrags.

Der Unterschied in der Spieltechnik zwischen beiden Instrumenten stellt mich oft vor das Problem, wie ich jene zahlreichen Tsugaru-Techniken erlernen sollte. Ohne Lehrer ist es nicht einfach, sich derartiges beizubringen. Youtube sei Dank allerdings konnte ich vieles bereits dadurch kostenlos und auf einfachem Wege erlernen. Sei es nun die grundlegende Spielweise oder ein paar einfache Techniken.

Als Vorbereitung für meinen nächsten Aufenthalt in Japan in diesem Sommer bin ich nun auf der Suche nach einem Lehrer, der mir in Japan in einer Art Intensivkurs gibt. Gestoßen bin ich auf eine Schule in Tokyo, die sich auf Takahashi Chikuzan’s Spielweise stützt und ein sehr interessantes Angebot hat.

Doch… Takahashi Chikuzan? Wer ist Takahashi Chikuzan? Internet sei Dank ist eine Recherche zum Thema schnell gemacht. Viele Menschen bei uns, die sich für derartige Musik interessieren, haben schon einmal von den „Yoshida Brothers“ oder von „Hiromitsu Agatsuma“ gehört oder zumindest Videos gesehen. Gibt man bei Youtube „Shamisen“ ein, so findet sich als erster Treffer seit 2007 das Video „Shamisen VS Shamisen“:

Dieses Video war damals mein erster Kontakt zu diesem Instrument. Nicht japanisch lesen könnend wusste ich nicht viel mehr, als dass es sich einfach um 2 im TV auftretende Shamisen-Spieler handelt. Heute weiß ich: Einer der beiden Spieler ist Hiromitsu Agatsuma (我妻宏光).

Was hebt diese Spielart von den anderen ab und weshalb wurde sie in den letzten Jahren auch in Europa bekannt und populär?

Das Tsugaru-Genre gilt als relativ jung, es wurde erst am Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt und erreichte seine Form im Laufe der Zeit. Wurzeln der Spielart liegen darin, dass es blinde Menschen gab, die mit der Shamisen von Haus zu Haus zogen, um sich dadurch ein wenig Geld zu verdienen.

Einer dieser blinden Menschen war Takahashi Chikuzan, der als einer der größten Virtuosen auf der Shamisen in die Geschichte einging. Sozusagen ein „Ray Charles auf der Shamisen“. Er prägte den Stil ebenso wie Yamada Chisato mit.

Im Gegensatz zu den anderen Stilen ist vieles im Tsugaru-Repertoire darauf ausgelegt, dass es Solo gespielt wird und viele Variationen enthält. Der Tsugaru Jongara Bushi ist eines der klassischen Stücke, beide bereits in diesem Eintrag enthaltenen Videos waren ein Jongara Bushi. Wer sich beide angesehen hat, dürfte bereits erkennen, wie wichtig der individuelle Einfluss des Spielers und in weiterer Folge des Lehrers für das Spielen dieser Stücke ist. Der Grundaufbau ist vergleichsweise einfach: Auf das charakteristische Anschlagen der 3 Saiten zur Kontrolle der Stimmung beginnt das Stück mit der typischen Melodie, ehe die Variationen und die Soli beginnen. Man kann dabei alleine spielen, zu zweit aber auch in größeren Gruppen. Ich wage mir zu behaupten, dass diese Spielweise und der Aufbau sehr dem Boogie Woogie und dem Blues auf dem Klavier ähnelt.

Neben diesem Jongara-Bushi gibt es noch einige andere „Bushi“ (節): Den Aiya-Bushi (あいや節), den Kohara-Bushi (小原節), den Yosare-Bushi (よされ節) oder den Tanto-Bushi (タント節). Ähnlich dem Jongara-Bushi geben auch diese das Spiel nur ungefähr vor, Platz zum Improvisieren ist reichlich vorhanden.

Davon abgegrenzt stehen die Tsugaru-Volkslieder: Der Ringo-Bushi (りんご節), das Tsugaru-Jinku (津軽甚句) oder der Ajigasawa-Jinku (鯵ヶ沢甚句) können auch von Gesang oder Taiko-Trommeln begleitet werden.

Die zunehmende Popularität bei jüngeren Japanern und auch in Europa dürfte v.a. durch junge Spieler wie die oben bereits erwähnten Yoshida Brothers oder zu erklären sein. Auch der in Tsugaru aufgewachsene Kevin Kmetz samt seinen Freunden soll nicht unerwähnt bleiben. Er ist zwar weniger in der Musikbranche aktiv, auf seinem Youtubekanal finden sich hingegen zahlreiche Videos, die sein unglaubliches Talent zeigen. Der Tsugaru-Stil wurde mit verschiedensten Stilrichtungen kombiniert und herauskamen Mischungen mit Rock, Jazz, aber auch Neuinterpretationen von bekannter Filmmusik und eine meiner Meinung nach virtuose Umschreibung eines spanischen Gitarrenkonzertes für Shamisen:

Bleiben zum Ende noch 2 Punkte zu sagen…:

1.) Trotz des durchaus vorhandenen Interesses scheint es in Europa noch keine Shamisen-Community zu geben. Lehrer sind im Gegensatz zu Koto oder Shakuhachi nicht bis kaum vorhanden, autodiktatisch ist das Instrument kaum zu Erlernen. Ich hoffe, dass diese Situation sich ändern wird.

2.) Ich bin gespannt, wie sich die Shamisen in den nächsten 10-20 Jahren weiterentwickeln wird. Den Sprung weg vom Begleitinstrument hat sie mit Bravour gemeistert, elektrische Shamisen lassen viel Potential nach oben erkennen.

Nun noch ein Video zur Okinawa Sanshin sowie ein Beispiel für die gänzlich andere Nagauta-Spielweise.

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Rezension – Restaurant Seoul, Wien 02

Restaurant Seoul, Wien

Wer in Wien koreanisch Essen gehen möchte, hat eine Handvoll Restaurants zur Auswahl. Da wären das Pusan im 5. Bezirk, das Yoo im 6. Bezirk, das Iega im 9. Bezirk oder auch eines der Hanil-Restaurants.

Das Seoul fällt ebenfalls in diese Kategorie hinein. An der Praterstraße gelegen erreicht man es am Besten mit der U1. Am Nestroyplatz aussteigen hält man die Augen offen nach einem kleinen, aber feinen Lokal.

Glaubt man den Rezensionen im Internet, wäre die Kellnerin die unfreundlichste Kellnerin auf diesem Planeten. Doch wer glaubt einer Rezension im Internet? Nur ein Besuch im Restaurant selber befugt mich, eine eigene Meinung abgeben zu dürfen.

Das Lokal und die Karte

Ähnlich wie das Restaurant Yoo setzt das Seoul nicht auf Größe. Nur eine handvoll Tische befinden sich im Restaurant, Platz ist für etwa 30 Gäste. Man sollte also einen Tisch reservieren, wenn man in einer größeren Gruppe hingeht.

Auf der Speisekarte befinden sich viele koreanische Gerichte, die nicht an Europa angepasst wirken – sehr positiv. Lediglich die Umschrift [Dwaeji-Bulgogi wird zu Döesi-Bulgogi] ist ein wenig willkürlich gewählt. Es haben sich auch einige japanische Gerichte – wie z.B. Lachs-Teriyaki eingeschlichen, der Großteil der überschaubaren Karte besteht allerdings aus Gerichten wie Bibimbap, Bulgogi, Jjajjang-Myeon, Yukgaejang,…

Die Bedienung und das Essen, Preise

Die Bedienung wirkt nicht unfreundlich, eher ein bisschen schüchtern. Anfangs hat es etwas gedauert, als das Essen allerdings erst einmal da war, ging alles recht schnell. Eine zweite Schale Reis? – Kommt sofort! Sie wünschen noch ein wenig Kochujang? – Kommt sofort!

Zudem stellte die Frau uns kostenlos Kakdugi auf den Tisch, sehr netter Service des Hauses.

Zum Essen selbst – das Bulgogi ist ebenso wie das Bibimbap sehr zu empfehlen. Und der Kimchi teilt sich mit dem Kimchi aus dem Restaurant Yoo den ersten Platz. Das Preisniveau ist dabei weder niedrig noch sonderlich hoch. Mit ~10 Euro ist man bei den meisten Hauptspeisen dabei, Kimchi kostet 2,70€ und ist das Geld voll und ganz wert. Reisnachschlag ist gratis, eine Kanne Tee ist mit 1,70 ebenfalls nicht sonderlich teuer.

Fazit:

Empfehlenswertes kleines Restaurant, von Koreanern betrieben. Sollte man probiert haben, wenn man gerne koreanisch isst.

 

 

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#1 – „Menchi Katsu“ (メンチカツ)

Rezepte à la takeruooji, #1

„Menchi Katsu“

Panierte Fleischlaibchen/Frikadellen auf japanische Art

Benötigte Zeit -> ca. 30-60 Minuten

Zutaten (4-5 Personen)

-> für die Fleischmischung

500g Faschiertes vom Rind oder Gemischt

1 Ei

60g Panko (Semmelbrösel)

1 kleine Zwiebel

1 Frühlingszwiebel

1 gehäufter TL Salz

1/3 TL Knoblauchpulver, Chilipulver, süßer Pfeffer/Paprika

optional: 1 TL Kochujang (koreanische Chillipaste)

1 EL Milch, 1 EL Sake (Reiswein)

-> für die Panade

Mehl, Eier, Panko/Semmelbrösel

-> als Beilage

Reis, Bulldog Tonkatsu Sauce, Kimchi, Kohlsalat, Miso-Suppe,…

(Panko sind etwas gröber als hier übliche Semmelbrösel. Deshalb werden mit Panko panierte Gerichte eine Spur krosser als mit Semmelbröseln panierte. Panko gibt es in vielen Asialäden, es gibt sowohl japanische als auch koreanische Panko zu kaufen.)

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Zubereitung

1.) In einer Schüssel das Ei, die 60g Panko, die Gewürze, das Grüne der Frühlingszwiebel und eine feingehackte Zwiebel geben.

2.) Das Fleisch hinzugeben und die Masse solange mit befeuchteten Händen durchkneten, bis sie beginnt klebrig zu werden. Die Zutaten sollten dann bereits gut durchmischt sein.

3.) Die klebrige Masse mit der Hand zu einem Klumpen formen und immer wieder in die Schüssel werfen. Diesen Vorgang ~10 mal wiederholen. Dies ist insofern wichtig, als dass sich dadurch die Masse verdichtet und später nicht so leicht auseinander fällt.

4.) Die Hände befeuchten und aus der Masse ovale Laibchen formen. Diese Laibchen anschließend – gleich wie bei einem Wiener Schnitzel – zuerst in Mehl, dann in Ei und dann in das Panko geben und panieren.

5.) Eine mit Öl gefüllte Pfanne erhitzen und die Menchi Katsu bei mittlerer Hitze je Seite 4-5 Minuten goldbraun herausbacken.Anschließend das überschüssige Fett mit etwas Küchenrolle abtropfen lassen.

6.) Den Reis und die Beilagen anrichten. Je nach Geschmack mehr oder weniger Tonkatsu-Sauce über die Menchi-Katsu geben… Fertig!

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