Herbst in Kyoto (2) – Kamigamo-jinja

Der zweite Eintrag meiner Herbstserie behandelt einen der großen Schreine Kyotos – den Kamigamo-jinja 上賀茂神社. Wobei “groß” in diesem Fall nicht richtig ist, da der Schrein Teil des Kamo-jinjas 賀茂神社 ist, der sich aufteilt in den “unteren” (Shimo-) und den “oberen” (Kami-) Gamo-Schrein.
Das “unten” bzw. “oben” bezeichnet hierbei die Lage, da der “obere” nördlicher liegt als der “untere”. Beide liegen im Gebiet nördlich des Zusammenflusses der beiden Flüsse Kamo und Takano, die ab Demachi-Yanagi den Kyoto durchfließenden Kamogawa-Fluss bilden. Zur Erinnerung, ein Blick auf die Karte Kyotos:

Karte Kyoto

Abb. 1 – Karte Kyoto (c) Orangesmile

Erkennbar der im Osten der Stadt von Nord nach Süd fließende Kamogawa. Der Kamigamo-Schrein befindet sich am Kamo-Fluss, der aus Nordwesten her fließt. Der Name des Schreins bezieht sich auf die alte Adelsfamilie Kamo, die sowohl 賀茂、鴨 als auch 加毛 geschrieben wird. Die Geschichte der Familie geht angeblich bis in die Yayoi-Zeit (300v.Chr.-300n.Chr.) zurück und hatte ihren Höhepunkt in der Heian-Zeit (700-1165), als die Schreine gegründet wurden.
Den Schrein  schreibt man allerdings heutzutage anders (賀茂) als den Kamo-Fluss, der mit 鴨 geschrieben wird. Soviel also dazu, man könne die chinesischen Schriftzeichen im Japanischen also einfach abschaffen und könnte die Sprache dennoch schreiben. (…Könnte man, würde uns aber einen Mischmasch wie im Koreanischen bescheren, indem beispielsweise das Wort “sudo” 수도 9 Bedeutungen je nach Kontext hat, die allesamt andere chinesische Zeichen besitzen. Soviel zu einer kleinen sprachlichen Anmerkung am Rande)

Im Gegensatz zu Herbst Hotspots wie dem bereits vorgestellten Kiyomizu-dera (Kyoto-Herbst #1) oder dem Tofuku-ji Tempel quillt der Kamigamo-Schrein nicht vor Menschenmassen über. Dies mag sicher auf an der extrem nördlichen Lage liegen, 8 Kilometer vom Bahnhof Kyoto bzw. 40-45 Minuten mit dem Bus dürften es schon sein – ich war mit dem Rad an die 30 Minuten (am Fluss ohne eine einzige Ampel) unterwegs (und ich bin als ziemlich schneller Radfahrer verschrien).

Der Schrein zählt mitsamt dem Shimogamo-Schrein zum UNESCO-Weltkulturerbe, Pferde sind am Schreingelände heilig. Sein formeller Name ist Kamo-wakeikazuchi Schrein 賀茂別雷神社, was bedeutet “Schrein, der den Donner verabschiedet”. Die Geschichte des Schreins geht weit zurück bis in die Heian-Zeit, viermal wurde er von den japanischen Kaisern aufgesucht, das letzte Mal im Jahr 1711. Beliebter Ort (und bestimmt nicht gerade billig) ist der Schrein für Hochzeitsfeiern – alleine an dem Tag, an dem ich dort war, fanden 3 in kurzem Abstand zueinander statt. Obligatorisches Hochzeitsfoto darf natürlich nicht fehlen:

kamigamo hochzeitsfotoAbb. 2: Hochzeitsfoto am Kamigamo-Schrein

Als Herbstspot ist der Schrein nicht gerade bekannt, dennoch finden sich zwei schöne Szenerien am Schreingelände, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Dazu zählen einerseits  eine Brücke im Schatten von Ahornbäumen (Abb. 3) sowie eine der Hallen des Schreins (Abb. 4).

kamigamo herbst

Abb. 3: Herbst am Kamigamo-Schrein

kamigamo brücke

Abb. 4: Herbstliche Brücke am Kamigamo-Schrein

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Herbst in Kyoto (1) – Kiyomizu Lightup

Ja, ich lebe noch. Alles ist in Ordnung, mir geht es wunderbar.

Ein relativ stressiger Herbst ging mit diesem Wochenende zu Ende, ich habe mich wunderbar hier eingelebt. Einerseits gibt es viel zu tun für das Studium, andererseits bedeutet Herbst in Kyoto eine Farbenkombination aus Grün, Rot und Gelb. Ahorne, Ginkgo-Bäume und CO färben ihr Laub, Nadelbläume bleiben Grün und viele über das Stadtgebiet verstreute Tempel öffnen ihre ansonsten teilweise verschlossenen Gärten und Hallen für eine Touristenschar, die sich aufmacht, die Herbstfarben – Momiji – zu bestaunen.

In diesesm Sinne war ich viel unterwegs und werde in den nächsten Tagen jeden Tag einen Eintrag mit Bildern und Geschichten rund um ihre Entstehung bringen. Den Start macht mit diesem Eintrag die abendliche Beleuchtung des wohl bestbesuchten Tempels Kyotos – des Kiyomizu-dera Tempels im Osten der Stadt auf Höhe GOJO.

Wie auch tagsüber wimmelt es während der abendlichen Beleuchtung nur so vor Besuchern. Die Tempelanlage mit ihrer einzigartigen Terasse ist relativ weitläufig am östlichen Ende, an den Hügeln Higashiyamas gelegen. Zwei Wege führen zu ihr hinauf, der Kiyomizu-saka 清水坂 und der Chawan-saka 茶碗坂 (wörtl.: Teebecher-Weg). Berühmt war/ist diese Gegend für ihre Keramiken, das sog. Kiyomizu-yaki 清水焼, wobei -yaki 焼 hier für “Töpferwaren” und Kiyomizu für die Ortsbezeichnung steht.
Bereits nach Überqueren des Kamogawa-Flusses, noch auf der relativ breiten – ich glaube sechsspurigen – GOJO-Straße beginnen, erste Geschäfte für Kiyomizu-Keramik aufzutauchen. Ab der Überquerung, an der es den Hügel hinauf geht kann man – besonders Abends gegen 17 Uhr und während der gesamten Herbst-/Frühjahrssaison das entspannte Schlendern bzw. Gehen vergessen. Busse stauen sich hinauf, hinab und auf dem viel zu schmalen Gehsteig drücken sich die Fußgeher den Hügel hinauf/hinunter, bis man an die Kreuzung der vorhin erwähnten Wege gelangt. Der Kiyomizu-saka ist gesäumt von Souvenirshops – teilweise ausgerichtet auf Japaner, teilweise auf Nichtjapaner – und teuren Restaurants/Cafés mit der klaren Zielgruppe “Touristen”.

kiyomizu sakaAbb. 1: Der Kiyomizu-saka, gesäumt von Souvenirläden und CO voller Touristen

Der Chawan-saka hingegen ist ruhiger und bietet vor allem – teure – Keramik-Geschäfte. So kann eine handgefertigte Teeschale hier schnell – ohne Scherz – an die 500 Euro kosten. Transportieren möchte ich eine solche Schale definitiv nicht. Zu gefährlich, dass sie mir zerbrechen könnte…

kiyomizu torAbb. 2: Tor des Kiyomizu-dera, sehr beliebtes (Gruppen-) Fotomotiv

Hat man den Aufstieg allerdings hinter sich, wird man oben von dem großen roten Tempeltor begrüßt und darf einen herrlichen Ausblick auf Kyoto mit den Gebäuden der Gegend um den Tempel genießen. Selbst die Menschenmassen im Tempel lohnen sich dafür, einen der bekanntesten Ausblicke Kyotos zu sehen:

kiyomizu panorama1
Abb. 3: Kiyomizu-dera mit Kyoto und Kyoto-Tower im Hintergrund im November 2012

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Geschützt: #13 – Erste Uni-Wochen

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Geschützt: #12 – Kyoto (Überblick)

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Geschützt: #11 – Das Praktikum in Arakawa

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Geschützt: #10 – Eine Nomikai in Arakawa

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Geschützt: #9 – Praktikum in Arakawa (1)

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